Geschichte

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Geschichte 2018-04-18T17:22:53+00:00

Bohème – erfreut seit 1950

Gründung und Gründer
1950 (als Nachfolgerin der 1948 gegründeten „Mais-Brüder“)
Bruno Koch mit Freunden aus der „Stifti“.


Charakteristik
Die Mitglieder –Kunstschaffende, aber auch andere Intellektuelle- pflegen die traditionelle „Lozärner
Fasnacht“, insbesondere die Urklänge luzernischer Guuggenmusigen mit den beliebten Märschen.

Wichtige Daten
– Dezember 1976: Trennung von Kunstmaler Leopold Häfliger, der ab 1977 die „Alte Garde“ anführte.
– Jubiläen, die jeweils mit Gönnern und ehemaligen Mitgliedern begangen werden:
zuletzt am 5. Februar 2005 (55 Jahre Bohème) mit Apéro im „Wilden Mann“

Die Bohème gehört zu den drei ältesten Guuggenmusigen Luzerns. Die Gründung erfolgte 1950 durch Bruno Koch, damals Grafik- und Dekorateur-Lehrling bei Sepp Ebinger, später Sakristan in der Kapelle St. Peter am Kapellplatz, Wirt im „Rebstock“ unterhalb der Hofkirche. Danach wirkte Bruno Koch in der „Angelfluh“ in Meggen, wo er über dem Vierwaldstättersee vor allem mit seinen mediterranen Spezialitäten die Gäste begeisterte.

Was bisher eher unbekannt war: der ursprüngliche Name der Bohème lautete „Mais-Brüder“. Da die Lehrlinge zwar für die Guuggemusig Grinden basteln, mit ihren Lehrmeistern aber nicht mitlaufen durften, meinte Bruno Koch, wir machen „Mais“ und gründete 1948 kurzerhand die „Mais-Brüder“. Zwei Jahre später wurde die Musig zur „Bohème Lozärn“. 1952 trat mit Leopold Häfliger, der nach Querelen in der Chatzemusig“ eine andere Musig suchte, zur „Bohème“ und fand hier eine seinen Talenten angepasste Umgebung.

Zusammen mit Sepp Ebinger (Lozärner Guuggemusig, 1948), Max Baumann (Chatzemusig, 1949) gehörte „Pöldi“, wie ihn Freunde nannten, zu den markanten Persönlichkeiten der noch jungen Guuggemusigszene. Er setzte in der Folge mit seinen Freunden markante Impulse und überraschte immer wieder mit neuen Akzenten.

Leopold Häfliger war ein liebenswürdiger, sehr begeisterungsfähiger Zeitgenosse, der allerdings seine cholerischen Seiten hatte und als „enfant terrible“ der Fasnachtsszene galt. In der Bohème fand er ein eigentliches Tummelfeld für seine kreativen Ideen, auch wenn er gelegentlich versuchte seinem „Vorbild“ Ebinger nachzueifern. Häfliger prägte in der Folge die Bohème, bis es 1975 zum Bruch kam, die Musig sich spaltete und ein Teil als „Alte Garde“ mit Leopold Häfliger durch Luzerns Gassen schritt. Aber hier wie dort waren es die alten Märsche, mit denen sich die zweigeteilte Musig charakteristisch langsam bewegte.

Heute gibt sich die Bohème jung, initiativ und kreativ. Der Mitgliederbestand -nicht zu gross und nicht zu klein- darf sich sehen lassen, wobei ein ideales Gemisch von Jungen und jung gebliebenen „Alten“ sehr wahrscheinlich gerade jenes gewisse Etwas ausmacht, das innerhalb der Musig zu einem ausgeprägten kameradschaftlichen Verhältnis führt. Kontroverse Diskussionen an Proben oder der Generalversammlung tun diesem Zusammenhalt keinen Abbruch.

Die Bohèmiens gehen mit grossem Enthusiasmus an die Fasnacht und erfreuen so nicht nur die Zuschauer längs der Gassen und Strassenzügen oder in den Restaurants, sondern auch sich selber. Dabei ist bei der Bohème der sog. „Guuggenmusig-Tourismus“ verpönt, das heisst, sie bleiben an den Fasnachtstagen der Stadt Luzern treu und lassen sich auch unter dem Jahr nicht engagieren.

Und wie in alten Zeiten, sind es auch heute noch die schönen, alten Märsche, die mit Begeisterung geblasen, getrommelt, gepauckt und gesaxt werden, derweil die Lyras und die Klarinetten für feine Zwischentöne sorgen. Schliesslich ist sie aber auch Experimenten nicht abgeneigt. So spielte sie im Jubiläumsjahr 2005, anlässlich des traditionellen Konzerts der ältesten Guuggenmusigen im „Stadtkeller“, ein eigens komponiertes Stück zusammen mit den Trommlern und Pfeiffern des Tambourenvereins. 2006 glänzte die Bohème am selben Ort mit dem Auftritt „Bohème in Concert“ zusammen mit zwei Geigenvirtuosen und einem Akkordeonisten. Dabei wurde das schöne Stück „Wien bleibt Wien“ von den Stadtkeller-Gästen mit begeistertem Applaus bedacht. Schliesslich bereicherte 2007 ein Flötistinnen-Quartett am Schmutzigen Donnerstag im „Stadtkeller“ den Auftritt der Bohème-Musiger mit klassischen und lüpfigen Weisen, was von den Gästen wiederum mit viel Begeisterung aufgenommen wurde.

Übrigens, das erste Mal in ihrer Geschichte marschiert die Bohème seit 2006 mit einer „Tambourmajorin“ an der Spitze. Dabei handelt es sich um Sabina Koch, der Tochter des Musig-Gründers Bruno Koch – eine bemerkenswerte, aber sympathische Neuerung! Die Bohème wurde zwar bereits 1950 gegründet, sie bleibt aber jung und dynamisch! Vive la Bohème, vives les Bohèmiennes, vives les Bohèmiens!

Lorenz Fischer / Januar 2008